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Guide 04 · Förderung

EXIST-Gründerstipendium —
was Gründer steuerlich wissen müssen

Viele Stipendiaten gehen davon aus, dass das EXIST-Stipendium steuerfrei ist. Das ist falsch — aber die steuerliche Situation ist überschaubarer als viele befürchten.

7 Min. Lesezeit startuptax.io

Zuletzt geprüft: August 2026 · Rechtsstand: August 2026

Was ist das EXIST-Gründerstipendium?

Kurz gefasst

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums für Gründerteams aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, in der Regel über zwölf Monate für bis zu drei Personen. Die Förderung besteht aus zwei steuerlich grundverschiedenen Komponenten: der persönlichen Stipendienzahlung und der Sachkostenpauschale an die Hochschule.

EXIST-Gründerstipendium ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Es unterstützt Gründerteams aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der frühen Phase der Unternehmensentwicklung — in der Regel für zwölf Monate, mit bis zu drei geförderten Personen pro Team.

Die Förderung besteht aus zwei Komponenten, die steuerlich grundverschieden zu behandeln sind:

Persönliche Stipendiumszahlung Geht direkt an die Gründer — zur Sicherung des Lebensunterhalts. Höhe abhängig vom akademischen Abschluss. Steuerpflichtig.
Sachkostenpauschale Geht an die Hochschule, nicht an die Gründer persönlich — für Projektkosten wie Equipment, Software, Reisen. Kein steuerpflichtiges Einkommen der Gründer.
Abgrenzung: EXIST-Forschungstransfer

Das Programm EXIST-Forschungstransfer richtet sich an Projekte mit größerem technologischem Reifegrad und läuft in zwei Phasen. Die steuerliche Einordnung ist strukturell ähnlich, aber im Detail abweichend — insbesondere weil dort häufig bereits eine GmbH-Gründung erfolgt und Teile der Förderung auf Gesellschaftsebene fließen. Dieser Guide bezieht sich auf das klassische EXIST-Gründerstipendium.

Ist das EXIST-Stipendium steuerfrei?

Kurz gefasst

Nein. Die Befreiung nach § 3 Nr. 44 EStG greift nicht, weil das Stipendium der Unternehmensgründung dient und damit einem wirtschaftlichen Zweck — nicht der Forschung oder wissenschaftlichen Ausbildung. Der BFH hat das mit Urteil vom 25.03.2021 (VIII R 47/18) bestätigt; die Finanzverwaltung folgt dieser Auffassung.

Die häufige Annahme: §3 Nr. 44 EStG befreit Stipendien zur Förderung von Forschung und wissenschaftlicher Ausbildung von der Einkommensteuer. Das klingt passend — trifft auf EXIST aber nicht zu.

§3 Nr. 44 EStG setzt voraus, dass das Stipendium ausschließlich der Forschung oder wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Ausbildung dient und der Stipendiat keine wirtschaftliche Gegenleistung erbringt. Das EXIST-Gründerstipendium dient der Unternehmensgründung — einem wirtschaftlichen Zweck — und das Gründerteam verpflichtet sich, die Förderzeit für die Entwicklung des Unternehmens zu nutzen.

Ergebnis

Die BFH-Rechtsprechung — beginnend mit dem Beschluss III B 128/11 und bestätigt im Urteil VIII R 47/18 vom 25.03.2021 — hat geklärt, dass eine Steuerbefreiung nach §3 Nr. 44 EStG für das EXIST-Gründerstipendium nicht in Betracht kommt. Das Stipendium ist steuerpflichtig. Die konkrete Einkunftsartzuordnung hat der BFH bisher nicht abschließend entschieden; die Finanzverwaltung (u.a. OFD Frankfurt) ordnet das EXIST-Stipendium bei monatlicher Zahlung regelmäßig als wiederkehrenden Bezug nach §22 Nr. 1 EStG ein.

Wie wird das Stipendium besteuert?

Kurz gefasst

Bei monatlicher Zahlung ordnet die Finanzverwaltung das Stipendium regelmäßig als wiederkehrenden Bezug nach § 22 Nr. 1 EStG ein — sonstige Einkünfte, einzutragen in der Anlage SO. Es gilt der persönliche Steuersatz. Ohne weiteres Einkommen wirkt der Grundfreibetrag von 12.348 € (2026) entlastend.

Das EXIST-Stipendium wird von der Finanzverwaltung bei monatlicher Zahlung regelmäßig als wiederkehrender Bezug nach §22 Nr. 1 EStG behandelt — sonstige Einkünfte. Es wird in der Einkommensteuererklärung in der Anlage SO eingetragen.

Steuersatz

Es gilt der persönliche Einkommensteuersatz — kein begünstigter Satz, keine Abgeltungsteuer. Wer während des EXIST-Jahres kein anderes nennenswertes Einkommen hat, profitiert vom Grundfreibetrag (2026: 12.348 €). Je nach Stipendienhöhe und persönlicher Situation kann die tatsächliche Steuerbelastung daher moderat ausfallen — oder bei niedrigeren Stipendienbeträgen und wenig Zusatzeinkommen sogar entfallen.

Splitting-Vorteil

Verheiratete Stipendiaten können vom Ehegattensplitting profitieren, wenn der Partner eigene Einkünfte hat — das kann die Steuerbelastung erheblich reduzieren.

EXIST-Rechner

Was bleibt nach Steuer vom Stipendium übrig? Der EXIST-Rechner auf startuptax.io rechnet das individuell durch — inklusive Grundfreibetrag, Werbungskosten und Splitting.

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Welche Werbungskosten sind abzugsfähig?

Kurz gefasst

Nicht nur die Pauschale von 102 €. Bei sonstigen Einkünften nach § 22 Nr. 1 EStG ergibt sich der steuerpflichtige Betrag als Überschuss der Einnahmen über die tatsächlichen Werbungskosten. Wer höhere tatsächliche Kosten nachweisen kann — etwa Arbeitsmittel oder Fahrtkosten —, macht diese geltend.

Entgegen einer verbreiteten Vereinfachung sind nicht nur die 102 € Werbungskostenpauschale abzugsfähig. Als sonstige Einkünfte nach §22 Nr. 1 EStG ermitteln sich die steuerpflichtigen Einkünfte als Überschuss der Einnahmen über die tatsächlichen Werbungskosten. Wer höhere tatsächliche Werbungskosten hat, kann diese geltend machen.

Was konkret in Frage kommt — die folgende Aufzählung ist nicht abschließend:

Wichtige Einschränkung

Was über die Sachkostenpauschale der Hochschule finanziert wurde, kann nicht zusätzlich als persönliche Werbungskosten geltend gemacht werden — kein doppelter Abzug. In der Praxis sind die verbleibenden persönlichen Werbungskosten daher oft überschaubar, aber nicht null. Es lohnt sich, Belege zu sammeln und die tatsächlichen Kosten zu prüfen.

Wie wird die Sachkostenpauschale behandelt?

Kurz gefasst

Die Sachkostenpauschale fließt an die Hochschule, nicht an die Gründer, und ist deshalb grundsätzlich kein steuerpflichtiges Einkommen der Stipendiaten. Steuerlich relevant wird sie erst, wenn damit finanziertes Equipment nach Ende der Förderung bei den Gründern verbleibt oder in die GmbH übergeht.

Die Sachkostenpauschale fließt direkt an die Hochschule oder Forschungseinrichtung — nicht an die Gründer persönlich. Sie ist daher grundsätzlich kein steuerpflichtiges Einkommen der Stipendiaten.

Relevant wird es, wenn Equipment oder andere Anschaffungen, die über die Sachkostenpauschale finanziert wurden, nach Ende des Stipendiums bei den Gründern verbleiben oder in eine GmbH übergehen. Hier kann sich je nach Sachverhalt ein steuerpflichtiger Vorteil ergeben. Das sollte im Einzelfall mit der Hochschule und einem Steuerberater geklärt werden.

Was passiert mit der Krankenversicherung?

Kurz gefasst

EXIST-Stipendiaten sind in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wer bisher familienversichert war, verliert diesen Status, sobald das Stipendium die Einkommensgrenze überschreitet. Eine eigene freiwillige gesetzliche oder private Versicherung wird dann erforderlich — die Kosten gehören von Anfang an in die Planung.

Ein oft übersehener Punkt: EXIST-Stipendiaten sind in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wer bisher über die Familie oder den Partner kostenlos familienversichert war, verliert diesen Status, wenn das Stipendium die Einkommensgrenze für die Familienversicherung überschreitet. Eine eigene Krankenversicherung — freiwillig gesetzlich oder privat — wird dann Pflicht. Die Kosten dafür sollten von Anfang an eingeplant werden und können als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Brauche ich dafür einen Steuerberater?

Kurz gefasst

Nicht zwingend. Die Einordnung ist klar und die relevanten Posten sind überschaubar; mit gängiger Steuersoftware ist die Anlage SO handhabbar. Voraussetzung ist, dass man versteht, was steuerpflichtig ist und welche Werbungskosten in Frage kommen. Bei parallelen Einkünften oder unklarer Einordnung lohnt sich fachliche Unterstützung.

Nicht zwingend. Wer sich mit den Grundzügen vertraut macht, kann die private Einkommensteuererklärung für ein EXIST-Jahr in vielen Fällen selbst erstellen. Die Einordnung ist klar, die relevanten Posten sind überschaubar, und mit einer gängigen Steuersoftware ist die Anlage SO gut handhabbar.

Entscheidend ist: Man muss die Thematik verstehen — was steuerpflichtig ist, welche Werbungskosten abzugsfähig sind und welche Angaben in welche Anlage gehören. Wer das ignoriert oder unsauber ausfüllt, riskiert Fehler die das Finanzamt korrigiert — mit Nachzahlungen und Zinsen.

Ein Steuerberater lohnt sich dann, wenn die persönliche Situation komplexer ist: gleichzeitige GmbH-Gründung, andere Einkommensquellen, internationale Sachverhalte oder Unsicherheit über die korrekte Einordnung einzelner Posten.

Praktische Hinweise zur Steuererklärung

Kurz gefasst

Das Stipendium gehört bei Einordnung nach § 22 Nr. 1 EStG in die Anlage SO. Alle persönlich getragenen Ausgaben im Zusammenhang mit der Stipendiumstätigkeit sollten belegt werden. Wichtig: Das Finanzamt kann nach der ersten Veranlagung Vorauszahlungen festsetzen — die Liquidität dafür sollte eingeplant sein.

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Dieser Guide vereinfacht steuerliche Sachverhalte und kann Fehler enthalten. Er ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung und darf nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage verwendet werden. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt deines Vertrauens.

Sebastian Wieland
Über den Autor
Sebastian Wieland · Steuerberater

Partner bei Appelt & Wieland PartGmbB Steuerberatungsgesellschaft, Unterschleißheim bei München. Bestellt als Steuerberater seit 2016, Mitglied der Steuerberaterkammer München. Seit rund 15 Jahren im Steuerrecht tätig, Schwerpunkt: Besteuerung von Deep-Tech- und SaaS-Startups von der Gründung bis zum Exit.

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Rechtlicher Hinweis

Dieser Guide dient der allgemeinen, unverbindlichen Erstinformation und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die Darstellung ist bewusst vereinfacht und bildet nicht jeden Einzelfall ab. Vor konkreten Entscheidungen ist eine individuelle Prüfung erforderlich. Einzelheiten im vollständigen Haftungsausschluss.